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Brüderle: ''Stolz auf unsere Wirtschaftsleistung ist durchaus zulässig''

Zu einem Kurzbesuch weilte Deutschlands Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am 8. November im Meißnerisch-Dresdner Raum. Zunächst stattete der Mainzer der berühmten Manufaktur in Meissen einen Besuch ab. Bekanntlich feiert die Manufaktur heuer ihr 300-jähriges Bestehen - an der wohl bedeutendsten sächsischen Erfindung aller Zeiten waren auch zahlreiche Freiberger Wissenschaftler und Hüttenchemiker beteiligt.

Danach trat Brüderle (65) auf Einladung des Deutschneudorfer Bundestagsabgeordneten Heinz-Peter Haustein (FDP), der auch Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung Saxonia ist, bei einem Forum in Dresden auf. Im Hotel "Holiday Inn" sagte Haustein (56) zur Einleitung: "Ich möchte Ihnen heute einen Mann vorstellen, der kürzlich durch seine Standhaftigkeit in Sachen GM/Opel für den deutschen Steuerzahler 1,2 Milliarden Euro gespart hat".Vor etwa 120 Gästen referierte Diplom-Volkswirt Rainer Brüderle dann naturgemäß zu wirtschaftlichen Fragen und, erfreulich für die Zuschauer, auch mit verständlichen Worten. Zunächst lobte Brüderle die Sachsen in höchsten Tönen für ihre seriöse und weitsichtige Wirtschaftspolitik seit Beginn der 90er Jahre. Nur wegen der Zuverlässigkeit des Standorts könne man heute in Sachsen eben VW, Porsche oder BMW bauen, gäbe es im Raum Freiberg-Dresden so viele topmoderne Firmen der Mikroelektronik.

Durch die Krise sei Deutschland unerwartet schnell gekommen. Es hätte sich vor allem gelohnt, soviel wie möglich Industrie im Land zu halten. Des Weiteren sei die Breite von Klein- und Mittelstand einmalig. Das Ergebnis von 3,7 Prozent Wirtschaftswachstum sei umso stärker einzuschätzen, da gegenwärtig ein "regelrechter Abwertungswettlauf der Währungen gerade in China und Brasilien stattfände" und auch die Amerikaner die Geldpresse angeworfen hätten. Seriös bewertet seien gegenwärtig nur Schweizer Franken, Pfund und Euro. "Stolz auf unsere Wirtschaftsleistung ist durchaus zulässig", so Brüderle, der auch in Sachen Arbeitskräftezuwanderung Stellung nahm: "Es ist unser legitimes Recht zu sagen, wenn wir hierher einladen, und wen nicht. Wir müssen sehen, dass wir auch erfahrene ältere Deutsche `geschont` im Arbeitsprozess halten können und Frauen für wissenschaftlich-technische Berufe begeistern können." Nur so könne man einen nachhaltigen Wachstumspfad erreichen. Vieles scheitere aber auch am relativ starren deutschen Arbeitsmarkt - hier sei aus FDP-Sicht bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU nichts erreicht worden. Abschließend ging der Minister noch auf die Euro-Krise ein. Ohne den umstrittenen Schutzschirm wäre es zu einem "Euro-Herzstillstand" gekommen. Das Griechenland für den Euro gar nicht wettbewerbsfähig war und ist, das hätte damals der Rot-Grüne Finanzminister wissen müssen: "Und wie soll man nun den Deutschen erklären, warum sie mit Milliarden dafür bürgen müssen, damit man in Athen oder Piräus mit 52 in Rente gehen dürfe?!" In der abschließenden Diskussion stellten die Anwesenden 45 Minuten lang Fragen.


Text: Steffen Ulbricht
 

 

 

 

16.12.2010